Samstag, 17. März 2012

Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte..

Frühling ist wieder gekommen. Die Erde
ist wie ein Kind, das Gedichte weiss;
viele, o viele.... Für die Beschwerde
langen Lernens bekommt sie den Preis.
Streng war ihr Lehrer. Wir mochten das Weiße
an dem Barte des alten Manns.
Nun, wie das Grüne. das Blaue heiße,
dürfen wir fragen: sie kann's, sie kann's!
Erde, die frei hat, du glückliche, spiele
nun mit den Kindern. Wir wollen Dich fangen,
fröhliche Erde. Dem Frohsten gelingts.
O,was der Lehrer sie lehrte, das Viele,
und was gedruckt steht in Wurzeln und langen
schwierigen Stämmen: sie singt's, sie singt's!

Rainer Maria Rilke


Endlich, der letzte Schneematsch weggetaut. Die Bäume tragen Knospen und entfalten sich langsam und zart. Im Frühjahr ist das Grün am leuchtendsten. Das Grau wird vertrieben, Vogelgezwitscher. Ein kleiner Spatz hat sich auf meinem Fensterbrett niedergelassen. Summt munter vor sich hin und wartet geduldig auf Antwort. Fröhlich hüpft hin und her, entschließt sich dann, weiter zufliegen.  Sucht sich den großen Apfelbaum im Garten und setzt sich auf den obersten Zweig. Putzt flink sein Gefieder und pfeift vor sich her. Zwitschert noch kurz, als wolle er sich verabschieden. "Tschüss, kleiner Vogel!" Er fliegt auf und davon. 
Ich trete zur Türe hinaus. Es riecht das erste Mal in diesem Jahr nach Neuanfang. Nach neuen Abenteuern und interessanten Reisen. Als hätte mir das der Spatz sagen wollen. Es war ein Duft von den letzten Krokussen und Schneeglöckchen, gemischt mit Grün und gelb, ein wenig blau war auch dabei. Freiheit. Es roch nach Freiheit und Natur. Die Stadt war verschwunden, ich stand auf einer Wiese, dich sich in ihr frisches grünes Kleid hüllte. Frühling, das ist die Zeit der Gedichte. Zeit, romantisch zu werden. Nur ein klein bisschen, nicht zu viel. Hoffnungszeit. Die Tage werden länger. Die Kleidung dünner. Endlich die dicken Stiefel, die noch in den letzten Wintermatsch getaucht waren, in den Schrank ganz hinter zu stellen. Die Gummistiefel stehen bereit für einen Spaziergang. Sie wollen in Pfützen springen und das Wasser soll bis zum Knie spritzen. Es ist egal, ob die Hose nass und schmutzig wird. Es ist egal, ob man Dreckspritzer im Gesicht sieht. Die Zeit beginnt, sich nicht darüber zu ärgern. Noch einmal Kind sein, sich daran erinnern, wie ein gerade verklungener Aprilregen riecht, der so frisch ist, dass er von den ersten winzigen Blättern tropft. Es ist, als würde der Frühling sein eigenes Lied jedes Jahr neu singen. Es ist von Jahr zu Jahr verschieden. 
Und heute ist es am aller schönsten!

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