Donnerstag, 12. April 2012

Coming Home..

Don't you ever feel like going home?
Don't you ever feel that need?
Don't you ever miss the smell from the house where you've grown?
Then you can't sleep

Wander down that old street
Seeing everyone
Don't you ever feel like going home?
Passing every old house
Seeing everyone
Don't you ever feel like going home?

Don't you ever miss the old house, the green garden, the ones,
Who made those first and dear memories?
The friends next door, the days before
The lack of thoughts about days in store

The stickers on that old fridge
The smell of yesterdays
Don't you ever feel like going home?
Wander down that old street
Seeing everyone
Don't you ever feel like going home?

Would it all change the same day your loved ones were gone?
Or would it stay the same?

Now it's coming clear to me
From now I'll always know
Home is not the darkness and snow
All would change the same day
The ones I know were gone
Then this place was no longer home

Petter Carlsen - Home 

Es ist soweit. Endlich kann ich "Nach Hause kommen". Die langen Jahre von ewiger Ungewissheit sind vorüber. Ich halte die Schlüssel meiner eigenen Wohnung in der Hand. Nicht mehr die große Reisetasche mitschleppen, egal wo ich bin. Endlich selbst entscheiden können, wann ich allein sein möchte. Ich kann alles gestalten, wie ich mag. Ein Traum erfüllte sich. Das, wonach ich mich so sehr sehnte. Der Neuanfang, nach dem ich mich sehnte, den mir der Frühling verriet. Ich lerne die Worte zu schätzen "Ich gehe nach Hause." "Ich bin zu Hause." Home, Sweet Home. Es tut so gut.

Montag, 13. Februar 2012

Alles ist irreal..





Niemals habe ich so bitterlich geweint. Niemals in meinem ganzen Leben. Es ist und bleibt unbegreiflich für mich. Es ist ein dunkles Loch. Etwas, was der Verstand nicht erklären kann. Was NIEMAND erklären kann. Mir tut mein Herz weh, meine Augen, mein Kopf. Wie? Wie ist das möglich?! Eine leichte Schneedecke überdeckte das sonst auch schon graue Land. Es war kalt. Bitterkalt. Als wir das Ortsschild "Oświęcim" passierten, verstummten schlagartig jegliche Gespräche. Die vielen Augenpaare waren aus den Fenstern gerichtet; niemand wusste, was nun kam. Wir sahen Wegweiser, die Auschwitz als Touristenaktion erscheinen ließen. Vielleicht ist es dies mittlerweile auch für viele. Traurig. 

Besuch des Stammlagers. 




Ich kann es, warum auch immer, unter keinen Umständen in meinen Kopf lassen. Es geht nicht. Rote Backsteingebäude, nummeriert. "Arbeit macht Frei". Ich begreife nichts. Es scheint wie eine peinlich strukturierte Wohnbausiedlung. Haus an Haus. Alles sieht gleich aus. Block 14a. Block 15a. Spuren im Schnee. Ein dicker Nebel liegt über Auschwitz. Ein dicker, dicker Nebel gemischt mit diesem seltsamen Duft. Dick eingehüllte Menschen, die trotzdem vor Kälte zittern. Gefühlte -40°C. Und da waren wieder die Bilder: Halb nackte Menschen. Krankhaft dünn. Augen ohne Ausdruck, ohne Wille. Nur bei wenigen blitzt es noch. Bei einigen von unserer Gruppe vielleicht. Der Wille wurde noch nicht ganz gebrochen. Oft kann man nicht in die Gesichter schauen. Der Blick zu Boden gerichtet. Nackte Füße auf dem Schnee. Ein Kinderweinen. Ich kneife mir in den Arm um diese Bilder verschwinden zu lassen. Wir betreten die Blöcke.. Überreste. Absurd. Pervers. Brillen, Koffer, Rasierpinsel, Prothesen, Töpfe, Haare, Schuhe. Winzig kleine Kinderschuhe. Ein endlos langer Raum, gefüllt mit Haaren. Es sind nur noch die Haare hier. Wo sind die Menschen dazu? Nur noch die Haare. Nur Haare. Jedes einzelne Haar gehörte einem Menschen. Haare. Wo ist er jetzt? Wie war sein Name? Haare. Warum sind nur noch die Haare hier? Nur Haare. Alles wirkt noch weiter weg, das hier passiert gerade nicht, nein. Nicht real. Ich muss träumen. Haare. Ich kann nicht kontrollieren, dass dicke heiße Tränen meine Wange herunter rollen. Pausenlos. Im nächsten Raum. Diese winzigen Füßchen. Ich sehe nackte Kinderfüße, ganz blau vor Kälte, im Schnee zittern. Ein Kind, welches stolz auf die blauen Lederschühchen war. Zum Geburtstag geschenkt bekommen. Ein 3jähriges Kind. 





Jeder einzelne Gegenstand war im Besitz eines Menschen, teil seines Lebens. Die Brille, ohne die man fast blind war. Der blaue Kochtopf mit den weißen dicken Punkten, der die Kartoffelsuppe kochte. Der weiche Rasierpinsel, mit dem sich ein Vater jeden morgen übers Gesicht fuhr. Alles hat seine Geschichte. Die Koffer waren mit Namen beschriftet. Wer war Franz Engel? Else Meier? Klara Goldstein? Margarete Glaser? Jacob Greilsamer? Else Hitschmann? Otto Israel Schönhof? Leon Singer? Dr. Bernhard Israel Aronsohn? Paul Gelbkopf? Jetti Messing? Peter Eisler, Kind, geb. 20.März 1942? Waisenkind Hana Fuchs? Bertha Eppinghausen? Marie und Tom Zappner? Waisenkind Gertrude Neubauer? Namen, die kein Gesicht mehr haben. Namen, hinter denen eine Geschichte steckt. Im nächsten Raum.. Runde Dosen. Mit Totenkopf und kaum mehr entzifferbarer Schrift gekennzeichnet. Mir wird übel. Mir scheint, als seien die Synapsen, welche die gesehenen Dinge in Informationen umwandeln und an mein Gehirn weiterleiten, außer Betrieb, geplatzt. Es ist nicht möglich, dies weiterzuleiten, es ergibt keinen Sinn. Dafür weine ich, habe das Gefühl, nie wieder aufhören zu können. Perverse Bilder in meinem Kopf. Menschen in einem Raum. Aneinandergepfercht. Die Tür geht zu. Schreie. Verzweifeltes Hämmern gegen die Stahltür. Kratzen. Gebete. Stille. Nackte Menschenleichen. Ein kleines leeres Döschen. Ich weine.