Samstag, 4. Januar 2014

Der Weg

Ich gehe immer weiter
Ich gehe Schritt um Schritt
Ich drehe mich und drehe
Weiß nicht, geh ich vor, zurück?
Kein Ziel vor meinen Augen
Kein Wort in meinem Mund
Und schaue ich zu Boden,
die Füße sind ganz wund.

Wie viele Tage lauf ich schon?
Und wo  komm ich her?
Um mich rum ist stille Leere
Hab' keine Orientierung mehr.
Nichts, woran ich mich kann halten
Kein Platz, kein Ort, kein Paradies.
Und sehe ich nach hinten,
die Spuren, die ich hinterließ.

Ich würde alles dafür geben
ein einzig' Mal zu ruhen.
Einfach stehen bleiben
Und gar nichts mehr zu tun.
Der Weg vor mir unendlich
Die Weite hört nicht auf.
Und schau' ich in den Spiegel,
seh ich, wie ich lauf und lauf.


Dienstag, 30. Juli 2013

Let There Be More Light

Noch einmal ein wenig Frankreich - Nostalgie. Eine kleine Reise durch eine der schönsten Regionen der Welt. Noch immer Abschalten aber dennoch durstig sein. Durstig nach Leben und Freiheit. Hungrig nach Neuem und Unbekanntem. Ein kleiner Road-Trip in fremde Gegenden. Im Gepäck ein leichtes Lachen, rastlose Füße, eine gute alte Kasette, ein Leuchten im Herzen, ein großes Stück Fernweh und ein kleines bisschen Heimweh, Neugierde, der Geschmack von Licht, eine Flasche Wasser, ein bisschen Kleingeld, eine Kamera und ganz viel Entdeckerlust!
Es ist ein heißer Tag und ich bin ein bisschen hin und her gerissen, ob ich nicht doch lieber im Schatten der Zypressen liegen bleiben soll, doch dann packt mich die Abenteuerlust und wir fahren los. Ein richtiges Ziel haben wir nicht. Doch, eigentlich schon: Aix-en-Provence. Jedoch der Weg dorthin liegt noch im Dunkeln. Wir wissen, immer nach Osten. Es ist ein langer Weg von mehreren Stunden, doch wir haben keinen Zeitdruck. Vor der Autobahnauffahrt von Aubenas steht ein Junger Mann am Straßenrand und hält seinen Daumen in den Wind. Wir halten an und ein ca. 20-jähriger Franzose namens Clement steigt in den Wagen. Er will nur ein paar wenige Kilometer mitfahren. Kunststudent. Seine Augen sprechen von der Nacht und ihren Geheimnissen. Er versucht sich ein bisschen mit Deutsch aber letztendlich muss mein gebrochenes Französisch herhalten. Nach 20 Minuten und ein bisschen Small-Talk über gute alte Rock-Musiker halten wir an einer der Raststätten und Clement bedankt sich, steigt aus und verschwindet in dem Meer aus metallenen Wellen. Zurück bleibt das Geheimnis der Nacht.
Wir fahren weiter. Aus den Boxen tönt laut "Every Generation Got It's Own Disease" und wir grölen schief mit. Es ist, als würde das Glück mit jedem Atemzug unsere Körper durchfluten. Ich könnte weinen, weil es so schön ist. Die Welt fliegt an uns vorbei und es ist einfach herrlich. Die Sonne knallt auf unser Dach und wir kurbeln die Fenster herunter. Der Wind packt unsere Haare und lässt sie wild tanzen, genau wie mein Herz. Ich wünschte, es gäbe Worte, die dieses Gefühl beschreiben könnten. Da es diese allerdings nicht gibt, muss ich auf schnulzig - kitschige Metaphern zurückgreifen. Wir fahren durch ein paar kleine Bauern-Dörfchen und wenn es uns gefällt, dann steigen wir aus und streifen durch die Gegend. Zum Glück hab ich den Badeanzug eingepackt; in einer kleinen versteckten Nische finden wir ein Stückchen Wasser, was geradezu danach schreit erkundet zu werden.
Wir sind die einzigen und genießen das kühle nass ausgiebig, bis es weiter geht. Wir fahren vorbei an spektakulären Burgen und Schlössern, kleinen heruntergekommenen Häusern, glücklichen Menschen, fremden Menschen. Der Hunger packt uns und wir halten. Das Örtchen sieht aus, als würde es eine alte Kaschemme geben, in der ein halb betrunkener Kellner Geschichten von früher erzählt und lachend Wein serviert. Wir finden einen hübschen Platz und lassen uns nieder, jedoch ist es das absolute Gegenteil einer heruntergekommenen Kaschemme mit dreckigen Toiletten und deftigem Essen: Wir landeten in einem Nobelrestaurant. Ein Blick auf die Preise und mir ist schlagartig der Appetit vergangen. Am Nachbartisch wird gerade eine sündhaft teure Flasche Champagner serviert als ich eigentlich die Flucht ergreifen will, doch schon kommt ein schleimiger Kellner herbeigeeilt um uns einen Appetizer zu servieren, der so groß wie ein 2-Cent-Stück ist und mit Sicherheit mehr als 20 € kostet. Wir fühlen uns sichtlich unwohl und nach einem kleinen Glas Wein verlassen wir fluchtartig das Lokal, natürlich mit fliegend leichtem Portemonnaie.


Wir lassen uns davon jedoch nicht den Tag verderben und fahren weiter in das unbekannte Fremde hinein.